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Elisabeth Zundel

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Porträt einer Vergessenen: Elisabeth Zundel und ihr Leben für Reutlingen

Von Steffen Seischab

Es gibt Menschen, die viel zu schnell aus dem öffentlichen Gedächtnis ver­schwin­den. Einer davon ist Elisabeth Zundel, einst eine herausragende Vertreterin der Reut­­lin­ger Frauen- und Arbeiterbewegung. Wer heute in Reutlingen nach dem Na­men „Zundel“ fragt, erntet entweder einen Hinweis auf den Stuttgarter Kunstmaler Georg Fried­rich Zundel – den Ehemann von Clara Zetkin – oder gar nur Kopf­schütteln. Dabei war Elisabeth Zundel vor nicht allzu langer Zeit eine der wichtigsten Frauen im öffentlichen Leben Reutlingens, und als langjährige SPD-Ge­meinde­rätin, Gründerin der hiesigen „Arbeiterwohlfahrt“ sowie engagierte Gewerk­schaftlerin zu Zeiten der Weimarer Republik vielen Reutlingern ein Begriff. Davon ist knapp 80 Jahre später kaum etwas übrigge­blie­ben; ein angesichts ihrer Verdienste unbefrie­digender Zustand, zu dessen Ende dieser Artikel beitragen will.

Aus einer ursprünglich aus Großglattbach bei Vaihingen/Enz stam­­menden Lehrers­familie, wurde Elisabeth Zundel am 5. Oktober 1874 als drittes Kind von Jonathan Zundel – der aus­nahmsweise nicht Lehrer, sondern Kaufmann war – und dessen Ehe­frau Wilhelmine Friederike Arnold in Stuttgart-Heslach geboren. Nach der Schul­zeit ließ sie sich zur Lehrerin ausbilden – einer der wenigen gei­stigen Beru­fe, die Frau­en im ausgehenden 19. Jahrhundert überhaupt ausüben konnten – und kam nach Abschluss ihrer Ausbildung 1903 nach Reutlingen, wo sie an der Garten­tor­schule, der evangelischen Mädchenschule der Stadt, eine Anstellung fand.

Aus dieser Zeit muss Elisabeth Zundels enge Freundschaft zu der bekannten, drei Jahre jüngeren Reut­lin­ger Frauenrechtlerin Laura Schradin herrühren (die erhal­te­nen Quellen sind leider äußerst spärlich und lassen vielfach nur Mutmaßungen zu). Schradin, Textilarbeiterin von Beruf, hatte bereits in den 1890er Jahren den Weg in die Politik gefunden: 1897 war sie in die Partei der Arbeiterbewegung, die SPD, eingetreten, die sich nach dem Fall des „Sozialistengesetzes“ 1890 wieder einiger­maßen frei in der Öffentlichkeit betätigen konnte. Die 1890er Jahre mit ihren Wahl­kämpfen dürften auch für Zundels Politisierung eine große Rolle gespielt haben. Obwohl Frauen noch kein Wahlrecht ausüben und sich auch nicht politisch betätigen durften, erlebte die Frauenbewegung damals einen regen Aufschwung. Eine Vorform politischer Frauenvereine hierzu­lande war der „Württembergische Lehrerinnen­verband“, dem auch Zundel angehörte. Ob­wohl formal rein als berufliche Interessen­vertretung etikettiert, bildete der Verband ein Sammelbecken der Emanzi­pations­bewegung, womit die Frauen das politische Betätigungsverbot elegant zu umgehen wussten.

Die in der württembergischen Frauenbewegung des wilhelminischen Zeitalters wohl promi­nenteste Figur war die (damals noch sozial­demokratische, später kom­muni­stische) Frauen­recht­lerin Clara Zetkin, die sich – nach ihrer Rückkehr aus dem französischen Exil im Herbst 1890 – in Stuttgart niedergelassen hatte, wo sie für den SPD-Verleger J.H.W. Dietz als Übersetzerin und Redakteurin der Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ arbei­tete. Zetkin trat als Rednerin bei zahllosen Veranstaltungen in der Region auf, um die Frau­en für den Kampf um ihre Rechte zu mobilisieren – so auch 1892 in Reut­lingen; eine Art „Erweckungserlebnis“ für die damals 14-jährige Laura Schradin. Gro­ße Wirkung auf die linke Emanzipationsbewegung hatte auch der im August 1907 in Stuttgart abgehaltene „Internationale Sozialistenkongress“, anlässlich dessen die SPD Zetkin gar ein eigenes Frauensekretariat einrichtete; auch die Leitung der auf dem Kongress gegründeten „Sozialistischen Frauen­inter­natio­nale“ über­nahm sie. Zetkin, die mit großem kämpferischem Selbstbewusstsein auf­trat, wurde vielfach bewundert und nach­geahmt – so auch von Schradin, die sich zu­nächst eng am Stuttgarter Vorbild orientierte. So fand – als lokales Pendant zum von Zetkin ins Leben gerufenen „Internationalen Frauentag“ – unter ihrer Leitung am 19. März 1911 der erste „Reutlinger Frauentag“ statt, an dessen Organi­sation sicher auch Elisabeth Zundel beteiligt war.

Interes­san­ter­weise war Zetkin zu dieser Zeit in zweiter Ehe mit dem oben erwähnten Stuttgarter Kunstmaler Georg Friedrich Zundel – einem Mitglied des „Robert-Bosch-Kreises“ – verheiratet; und es hat nicht an Mutmaßungen gefehlt, dieser sei ein Bruder der Reutlingerin Elisabeth Zundel und diese somit die Schwägerin Zetkins gewesen. Leider ist diese Behauptung, so reizvoll sie ist, falsch. Obwohl der Zetkin-Ehemann aus einem Großglattbach – dem Herkunftsort von Elisabeth Zundels Familie – unmittelbar benachbarten Dorf (Wiernsheim) stammte, waren beide nicht mit­einander verwandt. Möglich, dass man sich von dieser Ortsnachbarschaft her kannte – aber selbst das ist unwahr­scheinlich, da Georg Friedrich Zundel mit 14 Jahren sein Eltern­haus verlassen und jeden Kontakt zur Familie abgebrochen hatte. Dennoch dürfte Elisabeth Zundel Clara Zetkin damals persönlich gekannt haben – zumindest über die Freundin Schra­­­din, die vor Zetkins Bruch mit der SPD Kontakt zu ihr hielt.

Der Erste Weltkrieg stellte die Reutlinger Frauenbewegung dann vor völlig neue Probleme. Um die Ausbeutung von Frauen in schlecht zahlenden Rüstungsbetrieben zu beenden, wurde Schradin jetzt zur Initiatorin der sogenannten „Reutlinger Kriegs­flick­­werkstätten“, darin tatkräftig unterstützt von Zundel. Mehr als 2000 Frauen fan­den dort zeitweise Be­schäfti­gung – für die Reutlinger Frauenbewegung eine will­kom­mene Klientel.

Das Kriegsende brachte dann der Frauenbewegung den erhofften Erfolg im Kampf um politische Rechte: im November 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Im Januar 1919 er­scheint Elisabeth Zundel anlässlich des Wahlkampfs für die deutsche Natio­nal­­versammlung als Mitunterzeichnerin eines Presseaufrufs des „sozial­demo­kra­tischen Ausschus­ses geistiger Arbeiter“, der vom Leser den Partei­eintritt unter dem Motto forder­te: „Ihr alle, die ihr längst im Herzen Sozialdemo­kra­ten seid, werdet es durch die Tat!“ Zundel hatte diese Tat inzwischen längst hinter sich.

Mit dem Erwerb des Wahlrechts setzte nun auch der Sturm politisch engagierter Frauen auf die Parla­men­te ein: in Reutlingen kandidierten Schradin und Zundel gemeinsam auf der SPD-Liste für die Gemeinderatswahl vom 11. Mai 1919. Beide wurden – nachdem sie noch kurz vor dem Wahlsonntag einen gemein­samen Auftritt zu den zukünftigen „Aufgaben der Frau in der Gemeinde­verwal­­tung“ absolviert hat­ten – auch gewählt: Zundel mit 901, Schradin mit 798 Stimmen. Schradin schaffte sogar den Sprung in den württem­ber­gischen Land­tag, so wie sie überhaupt in ihrer politischen Biographie immer ein Treppchen höher als Zundel stand.

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Als eines der neuen SPD-Mitglieder im Reutlinger Gemeinde­rat – zu denen 1919 auch Oskar Kalb­fell gehörte – kümmerte sich Zundel schwerpunktmäßig um schul- und sozial­politische Themen: das Protokoll­buch der SPD-Fraktion führt sie unter anderem als Mitglied der städtischen Wohnungskommission sowie diverser Schul­gremien wie dem Kuratorium der Frauen­arbeitschule oder dem Mädchenreal- und Gewerbeschulrat. In der Kommunalpolitik leistete Zundel – soweit dies die spärlichen Quellen erkennen lassen – vor allem sachpolitische Detailarbeit, wie sie überhaupt die „große“ Politik stärker in den Vordergrund drängenden Genossen wie dem SPD-Ortsvereins­vorsitzenden und Landtagsabgeordneten Ja­kob Kurz überließ. Das unterscheidet sie klar von Schra­din, die nie gewillt war, sich mit einem Platz in der zweiten Reihe zufrieden­zugeben. Nach Schradins gesundheitsbedingtem Ausschei­den aus dem Reutlinger Gemei­nderat 1925 war Zundel nunmehr die einzige Frau dieses Gremiums, ein denkwür­diger Titel. Wie viele ande­re Angehörige der Arbeiter­bewegung alten Schlages – z.B. Oskar Kalb­fell – war sie inzwischen aus der evangeli­schen Kirche ausgetreten; die SPD-Anhängerschaft und das kirch­lich-prote­stantische Milieu trennten in den 1920er Jahren noch Welten. Dennoch konnte Zundel ihr Lehramt an der konfessionellen Gar­tentorschule behalten – für damalige Verhältnisse bemerkenswert.

Am 28. Februar 1921 meldete der sozialdemokratische Gemeinderat Kurz dann dem städtischen Fürsorgeamt, dass die Reut­linger Frauengruppe seiner Partei einen Wohl­fahrts­ausschuss gebildet habe, dem ne­ben ihm selbst folgende Perso­nen ange­hörten: die Gemeinderäte Schradin, Stein und Zundel sowie Emma Bauknecht, Frau G.A. Fuchs, Hein­rich Goll, Frau P. Ruck­gaber und Emma Schick. Diese Mel­dung markiert die Ge­burts­­­­stunde der Reutlinger „Arbeiterwohlfahrt“, deren Leitung Zundel bis zur Auf­lösung im Mai 1933 übernehmen sollte und als deren eigent­liche Gründerin sie bis heute gilt. Schatzmeister der damals noch im Reutlinger Gewerk­schafts­haus, dem – nach dem Krieg leider abgerissenen – Zentrum der örtlichen Arbeiterbewegung, unterge­brach­ten AWO war in den 1920er Jahren übrigens: Oskar Kalbfell. Wahrscheinlich hatte Zundel auch direkten Kontakt zur AWO-Deutschland­vorsitzenden Marie Juchacz, mit der ihre Freundin Schradin korrespondierte.

Karitativ tätig wurde Zundel auch zu Zeiten der Hyperinflation in der zweiten Jahres­hälfte 1923, als der Reutlinger Frauenverein, dem sie ebenfalls angehörte, unter anderem mit der Einrichtung einer Warenbörse bedürftigen Haushalten Hilfestellung leistete. Bedarf an sozialer Für­sorge­arbeit gab es in der krisengeschüttelten Weimarer Republik genug – zuletzt in der Welt­wirt­schafts­krise, wo sich Elisabeth Zundel erneut aufopferungs­voll engagierte. Eine 1949 im GEA anlässlich ihres 75. Geburtstags erschienene Würdigung erwähnt, dass sie „in der Zeit der Not durch Einrichtung einer Nähstube und als Leiterin der städtischen Schuhtauschstelle“ hervorgetreten sei: dies dürfte sich wohl auf die Jahre 1930-33 beziehen.

Das durch diese vielfältigen karitativen Tätigkeiten erworbene Ansehen und das Bedürfnis, an höherer Stel­le noch mehr gegen die allgemeine Not tun zu können, mögen dazu geführt haben, dass Zundel 1932 auf Platz 5 der SPD-Landesliste für den württembergischen Landtag kandidierte; hier allerdings blieb ihr der Erfolg versagt. Ihr Betätigungsfeld sollten auch weiterhin Kommunalpolitik und kommunale Sozialarbeit bleiben.

Dass Zundel sich in derart großem Maße engagieren konnte, liegt auch daran, dass sie selbst keine eigene Familie besaß. Zundels Ersatzfamilien waren ihre Schülerinnen, die Arbeiter- und die Frauen­bewegung sowie die Menschen, um die sie sich im Rahmen ihrer Wohltätigkeits­arbeit kümmerte. Wie viele Frau­en ihrer Generation, hat Zundel persönliche Bestätigung vor allem dadurch gesucht (und gefunden), dass sie vor allem für andere da war – Selbstverwirklichung war in den 1920er Jahren noch kein großes Thema. Auch ihr Haus in der Schlegelstraße 31, wo sie seit Oktober 1923 – zunächst noch zusammen mit ihrer Mutter, später dann mit ihren Geschwistern – wohnte, die sogenannte „Zunde­lei“, machte sie zu einem geselligen Ort. Gegenüber den beengten Verhält­nissen, in denen sie zuvor gewohnt hatte (zunächst am Weiber­markt 3, ab 1917 dann in der Ludwig-Finckhstr. 9), war dies ein recht stattliches Anwesen mit schönem Garten, wo auch die Freundin Schradin oft und gerne zu Besuch weilte.

Dann kam das Schicksalsjahr 1933. Im Mai 1933 wurde die AWO als verbotene Orga­ni­sation aufgelöst, zum 16. desselben Monats traten die Reutlinger SPD-Gemeinderäte zurück, fünf Wochen später, am 22. Juni, wurde die gesamte Partei verboten. Damit stand die Politi­kerin und Sozialarbeiterin Zundel, die nicht zu denjenigen gehörte, die nunmehr in aller Eile über die rote Weste einen brau­nen Mantel anzogen, vor dem Nichts. Das Aus für die Lehrerin folgte am 29. November 1933, als der NS-Reichsstatthalter für Württemberg die Entlassung aller poli­tisch angeblich nicht zuverlässigen Lehrkräfte (gemäß § 4 des neuen Berufs­beamten­gesetzes) an­ordnete. Großzügig beließ man Zundel noch bis zum Ende des Schul­jahrs 1933/34 formal im Amt und beförderte die inzwischen 59-Jährige dann zum 1. April 1934 in den vor­zeitigen Ruhe­stand; unter Kürzung ihrer Rente auf ¾ der Bezü­ge, versteht sich.

Mit der Zwangspensionierung wurde Zundel nun auch ihre zweite große Leiden­schaft, der Lehrberuf, genommen. Für einen Neuanfang – so wie ihn z.B. der we­sent­lich jüngere Oskar Kalbfell als Bauunternehmer versuchte – fühlte sie sich wohl zu alt; eher dürfte es ihr gelegen haben, wenigstens im Privaten den Kontakt zu Freunden und ehemaligen Weggefährten der Arbeiterbewegung zu pflegen. Mögli­cher­weise hat sie auch Anschluss zum linken Intellektuellenzirkel gesucht, der sich um das Landhaus Miller im Betzinger Zaisentäle gebildet hatte; schließlich waren dort auch zwei ihrer SPD-Gemeinderatskollegen, Eugen Weit und Karl Rais – eben­falls beide Lehrer und mit ihr im Dezember zwangspensioniert –, zugegen.

Fest steht, dass die Rentnerin Zundel zurückgezogen in Distanz zum NS-Regime die fatalen Jahre 1933-45 verbrachte; anders als Kalbfell stellte sie keinen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP (warum auch? Die Nazis hätten sie sowieso für ein über­holtes Auslaufmodell gehalten). Lediglich im NS-Frauenwerk wurde sie Mitglied, und das auch nur, weil man ihr anlässlich einer Hausdurchsuchung im Zusammen­hang mit einem Gerichtsprozess (sie hatte eine darin verwickelte Person, Frau Professor Hert­lein, bei sich beherbergt, was aber folgenlos blieb) dringend dazu geraten hatte. Dass Zundel auch fünf Jahre lang in den Mitgliederlisten der National­sozialistischen Volkswohlfahrt – dem NS-Pendant zur AWO – geführt wurde, dürfte damit zu erklä­ren sein, dass die AWO-Mitglieder nach der Auflösung ihrer Organisation 1933 kol­lektiv in den NS-Verband übernom­men worden waren.

Als der nationalsozialistische Spuk in Reutlingen im April 1945 schließlich endete, war Zundel bereits 70 Jahre alt. Obwohl jetzt nunmehr einer ihrer ehemaligen politi­schen Weg­ge­­fähr­ten aus den 1920er Jahren, Oskar Kalbfell, zum wichtigsten Mann in der Stadt auf­stieg und auf der Suche nach der Neubesetzung kommunaler Ämter mit geeigneten, politisch unbefleckten Persönlichkeiten – von denen es damals nicht allzu viele gab – auf alte Verbin­dungen zurückgriff, blieb Elisabeth Zundel außen vor, was wohl in erster Linie an ihrem vorgerückten Alter gelegen haben dürf­te. Auch bei der Neugründung der Reutlinger AWO 1946 wurde nicht sie, son­dern ihr alter Gemeinderats- und Lehrerkollege Karl Rais zum Vorsitzenden berufen.

In den letzten ihr verbleibenden Jahren kümmerte sich Zundel – ihrem fürsorglichen Charakter getreu – stattdessen vor allem um Einzelfälle not­leidender Men­schen: so fanden in den ersten Nachkriegsjahren in dem Haus in der Schle­gelstraße diverse Flüchtlinge eine Bleibe, darunter ein junger Mann aus Oberschlesien, der aufgrund der politischen Verhältnisse nicht zu seinen in der „Ostzone“ lebenden Eltern zurück­kehren konnte und deshalb anderthalb Jahre in der „Zundelei“ völlig kostenlos wohnen durfte; sogar eine Stelle beim Reutlinger Forstamt verschaff­te ihm Elisabeth Zundel aufgrund ihrer Kontakte. Auch ein Pflegekind nahm die selbst kinderlos Gebliebene bei sich auf, bis sie schließlich derart hinfällig wurde, dass sie im Au­gust 1956 ihr geliebtes Heim verlassen und ins Städtische Alten­heim in der Ringelbach­straße umziehen musste. Dort ist sie ein knappes Jahr später am 27. Juli 1957 im Alter von 82 Jahren gestorben.

Was bleibt heute, inzwischen mehr als 50 Jahre nach ihrem Tod, in Erinnerung? Es bleibt ein engagiertes Leben für andere: für die Frauen, deren Rechte und Anliegen sie unerschrocken vertrat; für die Armen und Notleidenden der Stadt, denen sie selbstlos half; für die Reutlinger SPD, für die sie lange Jahre im Gemeinderat und in diversen Ausschüssen hart arbeitete – und nicht zuletzt für die Stadt selbst, für deren Bewohner sie sich unermüdlich einsetzte. Wenn heute wieder nach mehr bür­ger­­schaftlichem Engagement gerufen wird, wäre Elisa­beth Zundel ein geeignetes Vor­bild. Dass die AWO jetzt ein Haus nach ihr benennt, ist ein guter Anfang auf dem Weg, sich wieder an sie zu erinnern.

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