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OASE V.
Schwäbisches Tagblatt vom 18.12.2009
Den Kreislauf durchbrechen
Nach fünf Monaten steht neuer Wohnraum für Obdachlose bereit
Die Reutlinger Oasen bieten wohnungslosen Menschen ein Obdach. Gestern wurde das fünfte Haus seiner Bestimmung übergeben. Im Januar ziehen dort fünf Männer ein.
von Katharina Mayer

Radu Gurau, technischer Leiter der GWG, Pfarrer Klaus Kuntz und
AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber vor ihrem gemeinsamen Projekt der Oase V.
Bild: Haas
Reutlingen. Rund hundert Wohnungslose leben derzeit in der Stadt. „Wir von der Beratungsstelle werden sicher Ende des Jahres mehr haben als im Vorjahr“, erklärte Fachberatungsstellen-Leiter Herbert Mang die steigende Tendenz. Derzeit ist eine starke Zunahme bei den Frauen zu beobachten, aber auch junge Menschen und psychische Kranke gehören zur Klientel der Reutlinger Arbeiterwohlfahrt (AWO). Der Personenkreis sei hier ebenso wenig statisch wie die Hilfsangebote, die immer wieder neu an den Menschen ausgerichtet werden müssen: „So wie sich die Gesellschaft verändert, wirkt sich das natürlich auf den Personenkreis aus.“
Den Teufelskreis aus Armut und Wohnungslosigkeit versucht die AWO durch Anmietung von Wohnraum für obdachlose Menschen zu durchbrechen. Seit nunmehr 15 Jahren sind solche „Oasen“ ein Erfolgsmodell, wie AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber sagt. Das Prinzip ist hier immer dasselbe: „Es fängt damit an, dass wir in der Wohnungslosenhilfe einen riesigen Bedarf an kleinen und günstigen Wohnungen haben.“ Denn geeigneter Wohnraum sei „ein immens wichtiger Bestandteil des Hilfesystems.“
Die Gemeinnützige Wohungsgesellschaft (GWG) ermittelt in ihrem Bestand geeignete Gebäude. Die Kooperation mit der GWG sei „mittlerweile eine hervorragende Sache“, stellte Gisela Steinhilber im Gespräch mit dem TAGBLATT fest. „Das hat sich so entwickelt, das war nicht immer so.“
Ein großes oder zwei kleine Zimmer
Nach nur fünf Monaten „Turbobauzeit“ wurde gestern die „Oase V“ in der Konrad-Adenauer-Straße fertiggestellt. Fünf kleine Wohnungen stehen ab Januar ihren neuen Bewohnern zur Verfügung, bestehend jeweils aus einem großen oder zwei kleinen Zimmern plus Kochgelegenheit und Badezimmer. Die Vergabe der Räume bedeutet allerdings bei weitem nicht das Ende des Engagements der sozialen Träger.
Die zunächst auf 18 Monate angelegte ambulante sozialpädagogische Betreuung der Bewohner im Haus beginnt „mit dem Einzug“ , sagt Gisela Steinhilber. Und sie umfasst neben der Unterstützung bei Behördengängen auch die Hilfe bei persönlichen Problemen wie Sucht, Schulden oder Arbeitslosigkeit.
Neben dem Kriterium des dringenden Wohnungsbedarfs wird in die Entscheidung, wer einziehen darf, auch die Frage nach der „Chance, wieder Fuß zu fassen“ berücksichtigt, wie Herbert Mang sagt. Ein Faktor für das Gelingen des Projekts sei aber auch die intakte Hausgemeinschaft: „Man muss schon schauen, dass die Leute harmonieren.“
Zwar brauche man die Wohnungen, betonte Mang, zum Erfolgsmodell gehöre aber neben Kooperation und Vernetzung auch, dass „die Leute einfach wohnen bleiben.“ Und das geht nur, wenn „die Leute in dieser Wohnung nicht alleine gelassen werden.“
Die Renovierung des GWG-Gebäudes wurde komplett aus Spendengeldern finanziert. Vesperkirchen-Pfarrer und „Vater aller Oasen“ Klaus Kuntz erwies sich auch hierbei als ein zuverlässiger Spendensammler. Er brachte über 70 000 Euro an Spenden auf – und das, obwohl die „Oase V“ eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich hat. Zuerst war nämlich ein anderer Standort angedacht, der sich aber als sehr desolat und viel zu teuer herausstellte.
Spenden fürs Projekt „Frauenzimmer“
Die Spender allerdings ließen sich von diesen Verzögerungen nicht abschrecken – auch nach dem Umbau der Oase ist noch Geld übrig. Diese geht nun als Spende an das AWO-Projekt „Frauenzimmer“. Das soll alle bestehenden Angebote für wohnungslose Frauen – von der Beratung bis zum befristeten Wohnen – unter einem Dach vereinen.
Startschuss ist im Januar. Im Herbst soll das Projekt realisiert werden. Auch hier werden noch Mittel benötigt, wie Gisela Steinhilber sagt: „Uns fehlen noch einige zehntausend Euro.“
