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Reutlinger Nachrichten vom 24.08.2010
Gönningen. Die Regenjacke gehörte in den vergangenen Wochen zur Standardausrüstung der Kinder bei der AWO-Freizeit. Aber: Das schlechte Wetter tat der guten Stimmung unter den Teilnehmern keinen Abbruch.
NORBERT LEISTER | 24.08.2010

"Wir sind gelb wie die Sonne und immer gut drauf." Auch im strömenden Regen war das selbst verliehene Motto der Kinder mit den gelben T-Shirts Programm, ebenso wie die der anderen Gruppen, deren Leitspruch etwa lautete: "Grünes Licht für Zusammenhalt." Oder: "Gemeinsam sind wir eine bunte, starke Siegerkette." Und: "Gut, dass es die AWO gibt." Dieser Spruch stammte zwar nicht von den Kindern, war am vergangenen Samstag beim Abschlussfest der Stadtranderholung aber dennoch vielfach zu lesen. Kein Wunder, stand doch die Reutlinger Arbeiterwohlfahrt in den vergangenen drei Wochen als Organisator hinter dieser Freizeit für Kinder, deren Familien sich einen teuren Urlaub nicht leisten können.
Das Programm war vielfältig bei diesen Ferien für die Fünf- bis 13-Jährigen: Jeweils von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr stand eine Fülle an Aktivitäten an, Spielen, Basteln, Singen, Ausflüge und immer wieder auch Erlebnisse in und mit der Natur, die jene rund 75 Teilnehmer begeisterten. "Viele der Kinder verbringen ansonsten die meiste Zeit vor dem PC, Erfahrungen in der Gemeinschaft und in der Natur waren ihnen anfangs fremd", erzählte Evi Mayer am Samstag. Die Leitung der "Stadtranderholung" hat sie schon seit acht Jahren inne, jede Menge Erfahrung bringt sie also immer wieder mit ein.
"Zum ersten Mal sind wir dieses Jahr an einem Tag ins Pflegeheim im Ringelbach gefahren und haben dort auf beiden Seiten sehr schöne Erlebnisse gehabt", betonte Mayer. Bedenken habe es von Kinderseite keine gegeben, wohl aber aus der Reihe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob das überhaupt funktionieren könne. Doch das Staunen über den problemlosen und vorurteilsfreien Umgang der Kinder mit den alten und zum Großteil dementen Menschen sei groß gewesen unter den angehenden Erzieherinnen, Studentinnen und Gymnasiasten, die nun auch ihr soziales Engagement unter Beweis stellen müssen. So problemlos wie der Kontakt im Altenheim habe auch die Integration von geistig behinderten Kindern und solchen mit Down-Syndrom geklappt, betont die Pädagogin Evi Mayer. "Wir haben natürlich Bewusstseinsbildung betrieben, dass jeder Mensch seine Stärken und Schwächen hat." Besonders toll sei dann die Erfahrung gewesen, dass das Behindert- oder Nichtbehindert-sein in den Gruppen überhaupt keine Rolle gespielt habe.
Nach Gönningen in die Rossbergschule als Standort für die Freizeit waren alle Kinder jeden Tag mit dem öffentlichen Nahverkehr gekommen, und auch die Ausflüge erfolgten mit Linienbussen. "Die Kinder sind jetzt topfit beim Busfahren", lacht Mayer.
Weniger erfreulich sei hingegen, dass die AWO erneut mehr als 3000 Euro aus der eigenen Tasche - also aus Spendenmitteln - für die Finanzierung der Stadtranderholung drauflegen muss, wie Gisela Steinhilber erläutert. Trotz der Unterstützung durch die Stadt und durch den Landkreis sowie einer Teilnehmergebühr für ein Kind von 180 Euro für die drei Wochen "all inclusive" bleibt dieses Defizit an der Arbeiterwohlfahrt hängen. Dabei werde ja der ehrenamtliche Einsatz der 20 Helfer gar nicht mitgerechnet. Vielleicht verteilte Ulrich Schubert, stellvertretender Leiter des städtischen Amts für Schulen, Jugend und Sport, auch deshalb großes Lob? "Die Bedeutung der Küche bei der Stadtranderholung darf natürlich nicht unterschätzt werden." Auch dort hatten sich Ehrenamtliche drei Wochen lang eingebracht. Alle Mitarbeiter hat die AWO-Chefin am Samstag beim Abschlussfest mit einem kleinen Geschenk geehrt. Sie alle hatten schließlich mit ihrem ausdauernden Einsatz dafür gesorgt, "dass die Kinder drei unbeschwerte Wochen verbringen konnten", wie Steinhilber sagte.


